IKS Neumünster > Veranstaltungen > 50 Jahre IKS > Festreden 21.11.2008    

 

Dr. Gerd Helbig - Grußwort zur 50-Jahr-Feier der IKS

<meta content="OpenOffice.org 2.4 (Win32)" name="GENERATOR" /><style type="text/css"> <!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --> </style> <p style="margin-bottom: 0cm;">Liebe Mitschülerinnen, liebe Mitschüler!</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Das ist die einzige Anrede, die für uns alle gilt............</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Als Herr Rahn mich fragte, ob ich zur 5o-Jahr Feier kommen und ein Grußwort sprechen würde, war meine erste Reaktion: jetzt bist Du wirklich alt! Und als ich mich fragte: warum ich? dachte ich mir: sicher suchen die einen, der so weit weg ist, dass er sich seiner Schule nur noch in Verklärung erinnert. Beides stimmt: ganz schön alt und verklärt.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Erlauben Sie mir ein paar persönliche Sätze: ich kam von der Holstenschule in die IKS, und zwar schon in der Oberstufe. Als Fahrschüler aus einem kleinen Dorf, dessen Name inzwischen der Gebietsreform zum Opfer gefallen ist. (So wie meine Mutter in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Fahrschülerin zur Klaus Groth-Schule). Die Holstenschule trug damals durchaus noch Züge, die aus der Heinz Rühmannschen Feuerzangenbowle stammen konnten. Es gab den Pedell Meyer und einen strengen Rektor. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Ich bin bis heute der festen Überzeugung: man war froh, dass ich ging (und mit mir einige Leidensgefährten). Ich – und nicht nur ich – nahm dieses jedem Lehrer bekannte und unerträgliche Argument für mich in Anspruch – der Junge (bei Mädchen gilt das ja längst nicht in gleichem Maße) , also: der Junge ist hochintelligent, aber stinkfaul. Mit anderen Worten – ich war grottenschlecht. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Dann noch etwas: die Holstenschule war ein reines Jungen-Gymnasium. Als ich sie verließ, gab es 800 Jungen und ein Mädchen. Eine kesse Blonde, die eine Sondergenehmigung hatte.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Die IKS hingegen lockte mit Koedukation. Zudem kein Backstein, sondern moderne Architektur. Es war wohl Flucht und Befreiung zugleich, die uns aus dem Backstein trieb.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Immanuel Kant spielte – soweit ich mich erinnere - keine Rolle. Zumindest nicht als Philosoph. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Aber die kleine Büste in der Eingangshalle auf dem Sockel hatte eine fast magische Wirkung.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Wir trieben uns in der Halle oft noch herum, wenn alle weg waren, weil unser Zug noch nicht fuhr. Da waren wir dann allein mit dem Herrn Professor aus Königsberg. Vielleicht wirkte die Büste gerade deshalb, weil sie so klein war. Kant war ja ein kleiner Mann. Noch viel beeindruckender ist für mich eine Darstellung, die Horst Janssen, dieser geniale, verrückte Künstler, 1983 gezeichnet und an Helmut Schmidt geschickt hat. Da schaut Kant mit bescheidener Freundlichkeit, aber unendlicher Überlegenheit. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Die IKS wurde dann tatsächlich zu einer Befreiung. Das lag nicht an mir, sondern zunächst an meinem Klassenlehrer, den wir einfach Charly nannten. Das wäre in der Holstenschule schwer denkbar gewesen. Es änderte sich also der Stil. Es wurde auch einfach mehr gelacht.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Aber eine ganz unerwartete Wende ergab sich durch unseren Deutschlehrer , der in den beiden letzten Jahren auch Klassenlehrer wurde. Oberstudienrat Mißfeldt kippte mich – und nicht nur mich – aus der Lethargie. Er sah sehr streng aus seiner Brille, auf gewisse Weise fordernd, aber auch distanziert. Von Immanuel Kant heißt es, er sein ein beliebter Lehrer an der Universität gewesen. ‚Beliebt’ war wohl für unseren Oberstudienrat nicht das treffende Wort – geachtet eher. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Von Johann Gottfried von Herder, der bei Kant studierte, gibt es den Satz aus einem Brief über seinen Lehrer: „Er munterte auf und zwang angenehm zum Selbstdenken.“ Lassen wir Herder und Kant mal weg, von denen wir kaum etwas gelesen haben, aber das war es: er zwang angenehm – das heißt wohl: ohne Druck – zum Selbstdenken. Wer wollte, der sollte selbst denken. Und übrigens auch selbst schreiben. Und so erschienen dann auch in damaligen Ausgaben der Schülerzeitschrift KANTSTEIN literarische Texte, die streng nach Wolfgang Borchert rochen. Der war ja erst zehn Jahre zuvor mit gerade mal 26 Jahren gestorben und hatte großen Einfluß auf unsere Generation. Mir setzen seine Geschichten heute noch zu.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Diese Wende zum Selbstdenken und zu den geisteswissenschaftlichen Fächern hatte dann eine weitere Wende zu Folge. Ich hatte jahrelang nur einen festen Berufswunsch, der lag in meinem Kopf fertig geplant vor: ich wollte Kapitän der Handelsmarine werden. Dieser überaus vernünftige Wunsch mit klaren Ausbildungsrichtlinien verschwand im Nichts. Das Ergebnis war, dass ich am Ende der Schulzeit weder wusste , was ich studieren sollte, noch was ich werden wollte. Ich glaube zu wissen, dass es einigen meiner Klassenkameraden nach dieser intensiven Oberstufe nicht viel anders ging.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Im Versetzungszeugnis zur Oberprima steht: setzt sich sehr für die Belange der Schulgemeinschaft ein. Obwohl ich mich daran gar nicht recht erinnern kann, muß ich sagen: das klingt gut. Und schließlich schreiben die Klassenlehrer so etwas ja nicht einfach so ins Zeugnis. Vielleicht war es auch dieses Engagement in der Schülermitverwaltung, der ich es zu verdanken hatte, dass ich ausgewählt wurde, die Abiturrede zu halten. Denn der Klassenbeste war ich wirklich nicht. So kann es also sein, dass ich zum zweiten Mal an dieser Stelle stehe und etwas von mir geben darf. Diese Abiturrede ist verschwunden – und das ist auch gut so.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Das war garantiert keine schöpferische Glanzleistung. Sicherlich habe ich mich bedankt – und das war kein Lippenbekenntnis. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Das Studium verlief noch ganz im Sinne der beschriebenen Wende der Oberstufe. Aber dann wurde ich Journalist – noch dazu in den Niederungen der Aktualität. Ich weiß nicht, was sich mein Oberstudienrat Mißfeldt erhofft hatte. Aber wir trafen uns vor ein paar Jahren anlässlich einer Buchvorstellung im Rathaus von Neumünster wieder. Und ob Sie es glauben oder nicht: ich hatte immer noch den gleichen Respekt wie 1960. Da hatte ich das sichere Gefühl, dass er mir meine berufliche Entgleisung nicht übel genommen hatte. Ehrlich gesagt: zum Philosophie-Professor hätte es nicht gereicht. Und damit bin ich zum letzten Mal bei dem Philosophie-Professor, dem unsere Schule ihren Namen verdankt. Immanuel Kant kam zeit seines Lebens kaum aus Königsberg heraus. Ich dagegen habe 1972 Deutschland verlassen und bin - bis auf zwei Unterbrechungen – nie wieder zurückgekehrt. Ich bin sehr unsicher, welches Lebensprinzip besser ist. In diesem Zusammenhang: ich habe bisher vier Mal die Buddenbrooks gelesen – jedes mal in einem anderen Land. Soviel zu Holstein.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Journalisten sollen reden und schreiben – aber niemals über sich selbst. Diese Grundregel habe ich durchbrochen und danke allen, dass sie es ertragen haben. Sagen wir so: es redete kein Journalist, sondern ein Schüler. </p> <p style="margin-bottom: 0cm;">Ich wünsche allen Ehemaligen, das sie bekennen können: alles in allem war’s eine gute Zeit auf der IKS.</p> <p style="margin-bottom: 0cm;"> </p><a href="238-0-festreden.html"><strong>zurück zur Übersicht</strong></a><br /> </td> </tr> </table> </td> <td width="165" background="files/rechts_back.jpg"> <table width="100%" height="100%" border="0" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td align="center" background="files/rechts_rot_back.jpg"> <br> <img src="files/schule_front_klein_rs.jpg" border="0"><br> <b>Immanuel Kant Schule Neumünster</b><br> <br> Mozartstraße 36<br> D- 24534 Neumünster<br> <br> Telefon: 04321/265320<br> Fax: 04321/26532-99 </td> </tr> <tr> <td><img src="files/rechts_uebergang_rotweiss.jpg"></td> </tr> <tr> <td> </td> </tr> <tr> <td background="files/rechts_headline.jpg" class="rechts_headline" height="18">  <a href="http://www.kantschule.net/42-0-vertretungsplan.html" target="_self">Vertretungsplan</a></td> </tr> <tr> <td> <table width="96%" border="0" align="center" cellpadding="0" cellspacing="0"> <tr> <td class="rechts_klein"> Die Datumsanzeige funktioniert noch nicht wieder. Bitte direkt auf 'Vertretungsplan' klicken.</td> </tr> </table> </td> </tr> <tr> <td><img src="files/rechts_uebergang_weiss.jpg"></td> </tr> <td><img src="files/sapere_aude.jpg"><p> <img src="files/platzhalter.gif" />Die IKS kooperiert mit<p> <a href="158-0-kooperationspartner.html"> <img src="files/logo_sauer_danfoss.gif" align="center" border="0" vspace="5" hspace="32" /></a></td> </td> </tr> </tr> <tr height="96%"> <td height="96%"> </td> </tr> <tr> </tr> </table></td> </tr> </table></td> </tr> <tr> <td background="files/footer.jpg" height="39"> <table width="100%" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0" class="footertext"> <tr> <td width="84%"> <a href="13-0-kontakt.html">Impressum</a> | <a href="13-0-kontakt.html">Kontakt</a> | <a href="index.php?article_id=8&clang=0">Sitemap</a> | (c) 2008 Immanuel Kant Schule Neumünster </td> <td width="16%"> </td> </tr> </table> </td> </tr> </table> <!-- Tabellenaufbau ENDE --> </body> </html>